Für den Laien wirken Wettkämpfe in Westernreit-Disziplinen wie ein Trail, «Hunt Seat Equitation», Horsemanship oder «Hunter under Saddle» tendenziell wenig spektakulär. Ruhig geht es zu her, Harmonie prägt die Szenerie im Paddock – der Spektakel-Faktor liegt definitiv im Einklang zwischen Tier und Mensch. Die Ausnahme macht die Sparte Reining, in welcher die Pferde im Galopp geritten werden und schnelle Drehungen (Spins) oder viel Staub aufwirbelnde Vollbremsungen (Sliding Stop) zeigen. Die Turnier-Disziplinen gehen alle auf die Anforderungen der Rancharbeit von Cowboys zurück und haben ihren Ursprung im spanischen Arbeitsreiten, dem Vaquero. Das Zügel wird einhändig geführt, die Pferde müssen möglichst eigenständig arbeiten und auf kleinste Gewichts- und Schenkelhilfen des Reiters zentimetergenau reagieren.

Aber eben: Wie so oft im Leben, wenn etwas vermeintlich easy und problemlos aussieht, steckt sehr viel Arbeit dahinter. Die perfekte Verschmelzung von Ross und Reiter, nahezu vollkommen blindes Verständnis und die Bereitschaft, im Wettkampf gegenseitig alles für den anderen zu geben, ist das, was Jasmina Hunziker am Westernreitsport fasziniert. Aber nicht nur das: « Auch die Vielseitigkeit des Sports – sei es punkto Disziplinen, Reiter-Outfits oder auch der Pferde – macht viel vom Reiz aus», sagt die Gymnasiastin.

Nach der Matur, die sie dieser Tage abschliesst, möchte die Dornacherin Wirtschaft studieren – freilich jedoch auch weiterhin Westernreiterin bleiben und an Wettkämpfen teilnehmen. Letzteres hat sie bis dato sehr erfolgreich getan. Mehrere Schweizermeistertitel in den Jugend-Kategorien unter anderen in den Sparten «Hunt Seat Equitation» zieren ihr Palmarès. Gaby Waldmeier, Sportchefin der Swiss Western Riding Association, attestiert Jasmina Hunziker eine «sehr schöne Haltung auf dem Pferd und einen sehr fairen Umgang mit diesem». Der erste Wettkampf bei den Aktiven verlief für die junge Westernlady unlängst sehr vielversprechend. «Mein Ziel war es, einen sauberen, sicheren, schönen Ritt zu zeigen, und das ist mir gut gelungen.» Den angestrebten Rang unter den Top 5 hat sie erreicht. «Wenn ich voll auf Angriff reite, kann ich sicher noch mehr rausholen», sagt Jasmina Hunziker. Obwohl bei den Aktiven, etwa punkto Gang, von der Veranlagung her oft besser geeignete Pferde mitreiten. Um sich die massiv höheren Startgelder bei den Erwachsenen als bei den Jugendlichen künftig leisten zu können und sich auch an den Transport- und Unterhaltskosten ihrer 14-jährigen, kämpferischen, aber auch eigenwilligen und daher auch irritierbaren Partnerin Hollywood Sunrise zu beteiligen, hat Jasmina Hunziker auf der Crowdfunding-Plattform www.ibelieveinyou.ch ein Projekt lanciert. Ziel ist, 2500 Franken zu finanzieren.

Aber kommt man eigentlich ohne familiär vorbelastet zu sein, zum Westernreiten? «Wir waren damals auf einer Wanderung», erzählt Jasmina Hunziker. Vor rund zehn Jahren muss das gewesen sein. Da sei man auf Westernreiter getroffen. Fasziniert von Anblick kam man ins Gespräch, erzählt die Dornacherin, «und so kam das eine zum anderen hinzu.» Die ganze Familie nahm plötzlich Reitstunden, eigene Pferde kamen hinzu, und so reitet Jasmina, die Talentierteste der Familie, nun seit neun Jahren Wettkämpfe. Die Lehre daraus: Öfter mal auf Wanderung gehen, das kann ganz schön inspirierend werden.